Die neue Order –

Einkäufer-Panel während der Digital Fashion Week 2020

Diese Saison ist anders – von der Order bis zum Verkauf auf der Fläche. Was bedeutet das für den Einkäufer und Termine im Showroom? Was passiert mit der eingelagerten Ware und welche Trends entwickeln sich? Diese Fragen haben wir im gemeinsamen Gespräch mit den Top-Einkäufern im Bereich DOB Torge Thede – Ramelow (Head of Product) und Denis Starke – Dodenhof (Bereichsleiterin Mode & Lifestyle) sowie Christian Frei, Reischmann (Einkaufsleitung Herren) und Martin Kiener, Modeerlebnishäuser Frey (Haka Bereichsleiter) aus dem Bereich HAKA beantwortet.

ORDERN ZU ZEITEN VON CORONA

  • Neue Inspirationen und neue Lieferanten: Mit den abgesagten Messen fehlt der Branche ein emotionaler “Startpunkt” in die neue Saison und auch die Inspirationsfindung gestaltet sich als schwierig. Außerhalb von Instagram und anderen Social Media-Kanälen gibt es kaum Mittel neue Trends zu erfahren oder sich mit weiteren Einkäufern auszutauschen – fehlt doch der kurze Smalltalk auf den Gängen der Messe oder die Reise in die Metropolen dieser Welt. Aber auch dies ist kein absolutes Hindernis: Im Falle neuer Lieferanten oder offener Limite, wird zum Telefonhörer gegriffen oder eine E-Mail geschrieben. Ein kurzer Besuche im Showroom (s. Kasten) hilft dann, sich ein Bild zur neuen Kollektion zu machen.
  • Die Planung – eingelagerte Ware und neue Trends: Zur Order fehlt es an einer Referenz-Saison, ist doch FS2020 wenig aussagekräftig. Zudem hat durch die außergewöhnliche Situation die Order deutlich später begonnen und der zeitliche Rhythmus ist verändert. Nicht verkaufte Artikel werden eingelagert und mit in die neue Saison genommen, gleichzeitig werden auch neue Trends (s.u.) berücksichtigt. Allgemein beurteilen alle Einkäufer die Situation eher vorsichtig und erwarten ein kleines Minus.
  • Der Termin – digital und fokussiert: Das Panel rechnet damit, dass 95% digital geschrieben wird. Nur in Ausnahmefällen, wird ein Showroom besucht und eine Kollektion gesichtet – so gut wie keine Order wird vor Ort geplant. Aber die Industrie scheint sich gut vorbereitet zu haben: Die bereits abgehaltenen Order-Termine sind klar strukturiert und etwas fokussierter als zuvor. So sind auch in Zukunft digitale Order-Termine (zumindest teilweise) denkbar.

“Ich muss die Ware fühlen!” – der neue Termin im Showroom

Haptik ist digital nicht erlebbar. Wie aber dann digital ordern? Es muss zu einem Umdenken kommen. Einkäufer müssen/sollten den Lieferanten vertrauen. Letztere dürfen dieses Vertrauen wiederum nicht verspielen: Die Ware, die auf der Fläche ankommt, muss das Qualitäts-Versprechen halten. Vor allem bei bereits bestehenden Partnerschaften ist das Vertrauen und auch eine gewisse Grundkenntnis der Materialien vorhanden. Im Falle neuer Lieferanten gestaltet sich dies als schwieriger. In solchen Fällen, ist ein Termin im Showroom trotz der Umstände sinnvoll, aber nicht um Zahlen zu besprechen – dies kann man alles im Nachgang online passieren. Es reicht ein kurzer Termin, um die Kollektion zu sichten. Weiterhin kann die Industrie auch durch gute Vorbereitung die digitale Order erleichtern und in einer hochwertigen PDF bspw. Farbbrilianzen zumindest teilweise erkennbar machen.

WOMEN – DER STARTSCHUSS IN DIE NEUE SAISON

  • Auch mit der eingelagerten Waren muss es einen Startschuss für die Kundinnen im Laden zu geben.
  • Rock und Kleid – alles ohne zwei Beine – sind bereits diese Saison bei Kundinnen beliebt. Gleiches wird auch für die nächste Saison erwartet.
  • Trends, wie Rüschen, Puffärmel bleiben weiterhin bestehen. Ein lässiger aber femininer Style zieht sich durch die Kollektionen.
  • Nachhaltigkeit: Der Druck von Kundinnen, Nachhaltigkeit auch in den Kollektionen abzubilden nimmt zu, deshalb ist auch dies ein Fokus im Jahr 2021. Händler sollten nachhaltige Kollektionen zum Storytelling nutzen und den Aspekt weiter hervorheben.

MEN – BACK TO THE ROOTS

  • Es gilt: Themen aus dieser Saison werden sich auch 2021 weiter durchziehen wie z.B. Leinen und die Leichtigkeit in den Farben und Stoffen.
  • Farbrichtungen: Erdtöne, helle Farben, leichte Themen für den Sommer und die Stilrichtung Urban Gardening bestimmen das Bild.
  • Jeans und Denim gewinnen an Bedeutung – nicht nur, aber auch in Bezug auf Workwear (bspw. Utility Jackets). Overshirts als Sakko-Ersatz und Outdoor Jackets, sind weiterhin ein großes Thema. Trends wie Sweat, Frottee und knallige Farben kommen vor allem für den mutigen Mann in Frage.
  • Der Anzug bleibt weiterhin wichtig und mit zunehmender Anzahl von Events wird auch hier wieder eine Steigerung in der Nachfrage erwartet. Zum klassischen Anzug kommen neue Nuancen hinzu: Beim ‘Broken Suit Look’ werden verschiedene Kombinationsmöglichkeiten herausgearbeitet und der Anzug wird neu interpretiert.
  • Nachhaltigkeit: Ein Thema, dass auch von männlichen Konsumenten stärker nachgefragt und eingefordert wird. Naturmaterialien, wie z.B. Leinen-Stoffe, werden im Sommer 2021 eine wichtige Rolle in der HAKA einnehmen. Nicht zu vergessen ist dann aber auch die Präsentation auf der Fläche: Der nachhaltige Aspekt muss hier, ebenso wie in der DOB, richtig dargestellt werden.

Du willst die ganze Aufzeichnung zu unseren “What to buy?”-Talks oder weitere spannende Vorträge sehen? Dann besuche die Digital Fashion Week und klicke auf “Mainstream Videos”. Logge dich einfach mit deinem bestehenden Event-Account an oder registriere dich kostenfrei mit einem neuen Account.

P.S. Im Event findest du auch Kollektionspräsentationen von über 100 Marken. Einloggen lohnt sich also! ;-)

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Dieser Blogartikel beruht auf den Einkäufer-Panels der Digital Fashion Week:

DE Real Talk – What to buy // Women | 28.07.2020 | Speakers: Torge Thede – Ramelow (Head of Product), Denis Starke – Dodenhof (Bereichsleiterin Mode & Lifestyle) | Moderator: Christina Berens (Sales, Fashion Cloud)

DE Real Talk – What to buy // Men | 29.07.2020 | Speakers: Christian Frei, Reischmann (Einkaufsleitung Herren) & Martin Kiener, Modehaus Frey (Haka Bereichsleiter) | Moderator: Christina Berens (Sales, Fashion Cloud)